Reiseblog

Reisebericht Albanien

Oh wie sehr ich mich freue, meinen Reisebericht über Albanien hier mit Ihnen zu teilen, gerade weil die meisten meiner Bekannten mich erst mal ziemlich schief anschauen, sobald ich das Land erwähne. Der Anfang des Gesprächs ist immer derselbe: 

Ich (höchst enthusiastisch): „Ich bin gerade von meiner Rundreise durch Albanien zurück“. 
Mein Gegenüber (deutlich irritiert): „Albanien? Was machst du bitte in Albanien?“
Danach rolle ich lächelnd mit den Augen und mein Aufklärungsmonolog beginnt...

Apollonia
Klostergarten Apollonia
Vlora
Albanische Flagge mit zweiköpfigem Adler
Nationalheld Skanderbeg
Albanische Riviera
Tankstelle im albanischen Hinterland
Butrint
Butrint
Butrint, Basilika
Butrint mit Blick Richtung Korfu
Butrint
Basar mit Qeleshe
Gjirokastra, die Stadt der Steine
Steinmetz in Gjirokastra
Willkommen in Berat
Berat, die Stadt der 1.000 Fenster
Berat, Moschee links, Kirche rechts
erwischt bei der Weinproduktion ...
Geburtshaus von Enver Hoxa
Basar in Kruja
Kruja
Kruja Panorama
Blick vom Skanderbeg Museum, Kruja
Blick vom Skanderbeg Museum, Kruja

Mit meiner Gruppe von österreichischen Journalisten kam ich am 25. September in Tirana, der Hauptstadt Albaniens an und war schon irrsinnig gespannt auf dieses touristisch noch so unentdeckte Land, das nur 1h 35m Flugzeit von Österreich entfernt liegt. In der Ankunftshalle wurden wir von Arzika und Jetmir empfangen. Es wurde bereits im Vorhinein vereinbart, dass wir die Rundreise mit einem englischsprachigen Reiseleiter machen, somit war das für uns in Ordnung (für unsere Kunden stellen wir allerdings immer sicher, dass der Reiseleiter Deutsch spricht). Jetmir war also unser Reiseleiter und Arzika wurde uns als deutschsprachige Ansprechperson mitgeschickt. Für manche vielleicht schon die erste Überraschung…ja, Albaner sind sehr organisiert und verlässlich. :-)

Mit einem Minibus und dem sympathischen Chauffeur Goshi am Steuer, ging es los in Richtung Vlora. Bevor wir jedoch an unser erstes Tagesziel gelangen würden, hielten wir in Apollonia, einer der bedeutendsten antiken Städte Illyriens. Inmitten der ausgegrabenen Tempeln und des Theaters war es nicht schwer, sich vorzustellen, dass dort einst von Ehrgeiz getriebene Demagogen Ihre Reden hielten um dem Volk, Dinge zu versprechen, die sie ohnehin nicht einhalten würden. :-) Im Anbruch der Dunkelheit drehten wir noch eine Runde durch das Museum und den Klostergarten von Apollonia, wo Zitronen- und Olivenbäume für ein typisch mediterranes Flair sorgten. Zum Abschluss des ersten Tages dinierten wir in einem vorzüglichen Fischrestaurant in Vlora, wo wir uns von diversen Fisch-Carpaccios (herrlich in Olivenöl und Zitronensaft eingelegt) bis zu gegrillter Forelle durchkosteten. Unser erstes albanisches Wort, das wir an dem Abend gelernt haben: „Gëzuar!“ = Prost! 

Zu Beginn des zweiten Tages stand eine kurze Besichtigung von Vlora am Programm, eine nette Stadt am Meer, wo Albanien 1912 nach ca. 500 Jahren Besetzung unabhängig wurde. Das Unabhängigkeitsmuseum gab einen spannenden Einblick in die Geschichte des, wegen seiner strategischen Lage, immer umkämpften Albaniens.

Wir ließen Vlora hinter uns und waren begeistert von dem, was sich uns gleich offenbaren würde. Denn entlang der Küste nach Saranda erstrahlt das Meer in herrlichem Türkis und ein romantisches Lokal folgt dem nächsten. Irgendwie fühle ich mich an der albanischen Riviera ein bisschen wie in Griechenland – aber pssst, das dürfen wir in Albanien ja nicht laut sagen, da Albaner und Griechen sowas wie eine Hassliebe für einander empfinden. Daher war auch mein Vergleich der geschmackvollen Gurken und Tomaten mit jenen aus Griechenland schlicht undenkbar. ;-) Vorbei an Saranda, kamen wir bald in Butrint an. Es ist die größte archäologische Stätte des Landes, gelegen inmitten eines Nationalparks. Zwei Stunden spazierten wir durch die antike Stadt, die laut griechischer Mythologie von den Überlebenden des gefallenen Troja errichtet wurde. Vorbei am ursprünglich griechischen Amphitheater, an den römischen Thermalbädern und der beeindruckenden Basilika, führte uns Jetmir bis zum venezianischen Kastell, von wo aus man einen atemberaubenden Blick auf Korfu genießt – und das genau bei Sonnenuntergang, kitschiger geht’s nicht. :-)

Am selben Abend machten wir noch einen angesagten Club in Saranda (es lief sowohl westliche als auch albanische Musik) unsicher und können schließlich behaupten: Saranda’s Nachtleben ist den ein oder anderen Drink jedenfalls wert.

Zwischendurch möchte ich betonen, dass die gesamte Gruppe von den Hotels begeistert war. Es war überraschend, wie modern und stilvoll die Häuser in Albanien ausgestattet sind. Da konnte man leicht darüber hinwegsehen, dass das Frühstücksei mal nicht ganz heiß war.

Nächstes Ziel war Gjirokastra, Geburtsort des Langzeitdiktators Enver Hoxha und „Stadt der Steine“. Diesen Namen hat Gjirokastra seiner einzigartigen Architektur zu verdanken. Denn die Häuser, insbesondere die Dächer wurden ausschließlich aus Stein konstruiert, was vielleicht langweilig klingen mag, in Wahrheit aber wunderhübsch aussieht, weil es ein einheitliches Bild ergibt.

Burgbesichtigung: Check; Panoramafoto von der Burg aus: Check; Mittagessen im Schanigarten: Check – also ging es weiter nach Berat.

Berat, die Stadt der 1.000 Fenster ist eines der beliebtesten Fotomotive Albaniens. Zu Recht – denn die weißen Häuser, die dicht wie Legosteine aneinander gereiht in den Hang gebaut sind, ergeben ein unvergleichliches Bild. Es scheint, man steht vor einer einzigen Fensterfront, Türen sind weit und breit keine zu erkennen und genauso ist es auch gewollt. Für mich war die, im 4. Jahrhundert vor Christus von Illyrern gegründete Stadt, der Höhepunkt der Reise. Die Atmosphäre ist total entspannt während ich durch die Straßen schlendere, Jetmir vom friedlichen Zusammenleben von Muslimen und Christen erzählt und ich die Albaner beim Kaffee trinken und Domino spielen beobachte. Ich frage Arzika verwundert, wieso denn um 10 Uhr vormittags die Lokale so voll sind, woraufhin sie nur meinte: „Ach in den meisten Firmen ist es normal, dass die Mitarbeiter um die Uhrzeit mal auf eine 2-stündige Kaffeepause gehen. Sie kommen dann ja eh wieder.“ Was soll ich dazu noch sagen? Andere Länder, andere Sitten! 

Nächste Station: Kruja, eine Kleinstadt mitten in den albanischen Bergen. Window shopping? Fehlanzeige! Hier lautet das Motto: Herumflanieren am traditionellen Basar. Neben typischen Souvenirs findet man an fast jedem Stand die traditionellen Hüte, die die Skipetaren (so nennen sich die Albaner gerne) bis heute tragen, die Qeleshe, ein weißer Hut aus Filz, je nach Herkunft rund, flach oder kegelförmig. Am Ende des bunten Treibens führt der Weg direkt weiter bergauf zum Skanderbeg Museum, welches sich in einer mittelalterlichen Burg befindet und von wo aus man einen wunderbaren Panoramablick über Kruja genießt – ein Platz, an dem ich kurz innehalte, ein Platz, an dem ich mein Lebensmotto wieder ganz bewusst vor Augen habe: „Reisen veredelt den Geist und räumt mit unseren Vorurteilen auf.“ Oscar Wilde

10.10.2017, Anna A.